Das Ende des Regenbogens.

Das Ende des Regenbogens ist eine Stufe, die rotgolden glitzert. Ich stolpere sie hinunter und falle auf mein Gesicht. Weil ich mich weigerte meine Hände zu benutzen, denn ich dachte, ich könnte noch fliegen. Doch meine Flügel sind abgeschnitten. Meine Flügel sind abgeschnitten.

Am Himmel formieren sich Vögel amöbenartig immer wieder neu. Etwas in mir sagt, ich könne es schön finden, auch ohne mein Herz. Doch an meinen Schultern zucken die verstümmelten Muskeln.

Das Blut in meinen Augen verschleiert den Blick. Ich renne vorwärts. Es fühlt sich an wie fliegen, wenn ich nur schnell genug renne. Und in meinem Nacken wispert der Regen. Er spricht von Angst und Versagen. Jeder Tropfen tut weh.

Aber heute stelle ich mich unter den strömenden Regen. Ich sehe ihm fest ins Gesicht. „Ja, Du tust weh!“ brülle ich ihn an. „Tu mir weh! Zerschlage meine Augen mit Deinen Fäusten, zerschlage meinen Mund.“ Und er schlägt auf mich ein. Bis das Blut von meiner Haut geflossen ist.

Das Ende des Regenbogens ist eine hohe, grausame Stufe. Und unter ihr liegen Erde, Steine und Staub. Unter ihr liegt das Leben, das nicht glitzert, sondern brodelt wie verschmorendes Fleisch.

Asche.

Wie Schäfchen steigen Wolken zum Himmel auf. An blauen Bändern tragen sie kleine Fleischstücke mit sich; Fetzen Deines traurigen Gesichtes. Versonnen sehe ich ihnen nach. Ein Abschied ist zauberhaft, wenn er ein Anfang ist.

Wo Du warst herrscht Ödnis; mageres Land, von der Sonne verbrannt, in dem selbst die Spießböcke lechzen. Ich schrubbe mein Herz mit Milch und Salz und nähre es mit Eisen. Zaghaft streckt es seine Fühler aus in die Weite und zuckt erschrocken zurück.

Mein Geist ist ein begieriger, doch störrischer Schüler. Immer wieder schaut er aus dem Fenster und versenkt sich im Anblick der Birkenkronen. Mit einem peitschenden Knall landet die Rute auf seinem Pult. Hier vorne, zischt es, wach auf. Betroffen senkt er den Blick.

Wie aus dichtem, dornigem Gestrüpp reißt man mich los. Teile bleiben zurück. Ich winke ihnen zum Abschied: Auf Wiedersehen, Milz, auf Wiedersehen, Ohr. Es blutet ein wenig, dort wo das Ohr war. Die Milz brauchst Du nicht, sagen sie.

Ich habe den Spiegel vor mir zerschlagen. Mit einem wilden Schrei. Und nun schaue ich in seine Scherben und sehe mich immer noch darin. Entsetzt starre ich in all diese Gesichter. Sie starren zurück, jedes aus einer anderen Richtung, starren sie mich an und warten. Sie warten, daß ich sie erkenne.

Musik, die aus dem Himmel schallt – traurige Töne, reißende Klänge und dazwischen: Freude. Fang an zu tanzen, rufen die Wolken, die Dein Gesicht getragen haben. Fang an zu tanzen, wie Gott Dich zu tanzen gelehrt hat.

Und lachend beginne ich zu tanzen. Ich tanze und auf mich herab fallen die Obsessionen meines Lebens in einem Regen aus Asche. Sie hüllen meinen nackten Körper in graue Ascheschichten ein. Und ich liebe sie.

Meine Liebe ist bodenlos.

Zwei Äpfel im Gras.

Gott schickte uns wie Engel
der Zeit entrückt ins All
und ratlos sahen wir
dem Leben ins Gesicht

Gott ließ uns gleich zwei Äpfeln
beisammen fall’n ins Gras
erschrocken blickten wir
einander ins Gesicht

und schweigend lagen wir
und hilflos in der Erde
und witterten die Zeit
die uns erbittert wehrt

und ich erkenne endlich,
daß alles, was mal werde
nicht Du bist und nicht ich
und ewig uns entbehrt

Stumm sahen wir ins Leben
und quälten unsere Herzen,
die wir gebrochen hatten
und fühlten uns betrogen

Doch jenseits aller Wünsche,
durchfloß uns wahre Demut,
und in Dir ist mein Herz
zum Himmel längst erhoben