Mein heillos gebrochenes Herz.

Du
bist nicht tot, bist nur stumm
gegangen ohne ein Wort

Du,
ein zerrissenes Bündnis
ein plötzlich verschollener Ort

Du
warst die Burg, die ich liebte
die Heimat, die mich in sich barg

Du
warst der Held meiner Träume,
der vor meiner Liebe erschrak

Du
warst das Licht, das mich rettet
Dein Lächeln machte mich heil

Du,
verfolgt von den Schatten
der Angst, die uns schließlich entzweihte

Du
warst die ganz große Liebe
Du warst Wahrhaftigkeit

Du,
liebster Stein meines Anstoß
mein Glück und süßes Leid

Du
bist nicht tot, Du bist ewig
mein heillos gebrochenes Herz

Ich
verharre in leerer
Unendlichkeit, stark und versehrt

my lost big man

Schattenblick.

Schaue mich an
Rühre mich an
Schlag Deine Zähne in meine Seele
Leg Deine Hände
an meine Seiten
Zupf meine Worte aus meiner Kehle

Halte mich fester als Eisen

Schaue mich an
Schneide mich auf
Lege Dein Messer an meinen Bauch
Zerre an mir
Pflücke mein Innres
aus meinem Leib wie Beeren vom Strauch

Schlage in mir Deine Schneisen

Schaue mich an
Schau meine Zunge
Wie sie sich müht und schmerzhaft sich plagt
Wie sie sich windet
vor Deinen Augen
Ziehe die Silben aus mir jeden Tag

Wie Knoten aus einem Netz

Schaue mich an
Schaue nicht weg
Höre nicht auf mich anzublicken
Fasse mein Fleisch
Greif meine Seele
Schau nur wie wild meine Glieder zucken

als hättest Du sie unter Strom gesetzt

Schaue mich an
Gib mir zu Essen
Der Hunger nach Dir zerrt und reißt an mir
Nach Deiner Angst
Und Deinen Wunden
Sie locken mich an wie ein verlassenes Tier

bevor es sich vor Dir erschrickt

Schaue mich an
Rühre mich an
Halte mich fest in Deinem Griff
Gehe nicht weg
Schau wie ich brenne
Schau wie ich leide, wenn Du mich triffst

mit Deinem Schattenblick

das Blau dieser Stunde.

Lass mir die Dunkelheit für meine Trauer
Lass mir die Trägheit, lass mir den Schmerz
Was soll mir das Licht sein, was helfen mir Worte?
Im Blau dieser Stunde birgt sich mein Herz

Der Tag geht vorüber, die Nacht wird noch kommen
Das Blau dieser Stunde ist weich wie der Schnee
und warm wie die Sonne, es senkt sich hernieder
umhüllt meinen Körper und lindert mein Weh

Das Licht bricht sich splitternd und grau an den Wänden
Zeigt Scherben eines vergangenen Tag´s
So lass mich bestaunen sein sterbendes Tanzen
Das Blau dieser Stunde schließt gleich seinen Sarg

Wie Staub auf der Linse verschwimmen die Schatten
Das Blau dieser Stunde frisst leise und kaut
bedächtig am Traum eines unruhigen Schlafes
und hat bald das letzte Trugbild verdaut

So lass mir die Dunkelheit für meine Trauer
Lass mich versinken im Jetzt und im Hier
Das Blau dieser Stunde wird grauer und grauer
Oh, Blau dieser Stunde, nimm mich mit Dir

Asche.

Wie Schäfchen steigen Wolken zum Himmel auf. An blauen Bändern tragen sie kleine Fleischstücke mit sich; Fetzen Deines traurigen Gesichtes. Versonnen sehe ich ihnen nach. Ein Abschied ist zauberhaft, wenn er ein Anfang ist.

Wo Du warst herrscht Ödnis; mageres Land, von der Sonne verbrannt, in dem selbst die Spießböcke lechzen. Ich schrubbe mein Herz mit Milch und Salz und nähre es mit Eisen. Zaghaft streckt es seine Fühler aus in die Weite und zuckt erschrocken zurück.

Mein Geist ist ein begieriger, doch störrischer Schüler. Immer wieder schaut er aus dem Fenster und versenkt sich im Anblick der Birkenkronen. Mit einem peitschenden Knall landet die Rute auf seinem Pult. Hier vorne, zischt es, wach auf. Betroffen senkt er den Blick.

Wie aus dichtem, dornigem Gestrüpp reißt man mich los. Teile bleiben zurück. Ich winke ihnen zum Abschied: Auf Wiedersehen, Milz, auf Wiedersehen, Ohr. Es blutet ein wenig, dort wo das Ohr war. Die Milz brauchst Du nicht, sagen sie.

Ich habe den Spiegel vor mir zerschlagen. Mit einem wilden Schrei. Und nun schaue ich in seine Scherben und sehe mich immer noch darin. Entsetzt starre ich in all diese Gesichter. Sie starren zurück, jedes aus einer anderen Richtung, starren sie mich an und warten. Sie warten, daß ich sie erkenne.

Musik, die aus dem Himmel schallt – traurige Töne, reißende Klänge und dazwischen: Freude. Fang an zu tanzen, rufen die Wolken, die Dein Gesicht getragen haben. Fang an zu tanzen, wie Gott Dich zu tanzen gelehrt hat.

Und lachend beginne ich zu tanzen. Ich tanze und auf mich herab fallen die Obsessionen meines Lebens in einem Regen aus Asche. Sie hüllen meinen nackten Körper in graue Ascheschichten ein. Und ich liebe sie.

Meine Liebe ist bodenlos.

Nichts bleibt.

Nichts bleibt zu tun
für mich.
Ich bleibe allein
zurück.
Ich schaue umher,
doch ich
finde doch nichts.

Ich schaue umher
und blicke
in mein Gesicht
und schrecke
vor mir zurück
und denke
nicht mehr an dich.

Ich denk nicht an dich
und doch
schreib ich ein Gedicht,
ein Wort,
so leer wie mein Blick,
für dich
und nichts bleibt zurück.

Nichts bleibt zurück
für mich.
Ich bleibe allein
und ich
schaue umher,
doch nichts,
nichts findet sich.

Die Liebe in Gedanken.

Sie ist so schmal wie ein Lesebändchen
und liegt zwischen unseren Büchern versteckt.
Sie ist nur ein Kieselstein in unsren Händen
und von unsren Händen gut zugedeckt.
Sie ist so winzig und still wie der Staub,
damit niemand sie zwischen uns beiden entdeckt.

Sie ist nur ein Windhauch auf meiner Haut
und entzündet ein Feuer in meinem Schoß.
Sie ist nur ein Räuspern zur Geisterstunde
und tritt einen Sturm vor dem Fenster los.
Sie ist die Luft, die mich leben läßt,
wenn der Mond in der Nacht meine Träume liebkost.

Sie ist mein Begleiter in jeder Sekunde.
Sie ist das Lächeln in meinem Gesicht.
Sie quält mich in mancher verzweifelten Stunde,
denn immer ist sie nur ein Gedicht,
nur ein Wort, ein Gedanke, ein zaghaftes Sehnen –
die Haut Deiner Wangen berühre ich nicht.

Doch Du bist mein Sternensoldat, meine Sonne!
Du bist das Leben in einer leblosen Welt.
Du bist die Fülle in endloser Leere,
die unsre Seelen gefangenhält.
Du bist der Geist, der sich all unsren Tagen
schwerelos träumend entgegenstellt.

Und ich bleibe glücklich ein letzter Gedanke,
ein kleines Stück Erde, schon lang nicht in Sicht,
ein schattiger Abgrund, ein kaltes Gebirge,
denn schattig und kalt bin ich ohne Dich.
Gib mir nur ein winziges Stück Deiner Liebe,

und in Dir werde ich zu Licht.

Wüste Ödnis.

Graue Schluchten reißen uns
in Täler, trist und traumverhangen
und im trüben Morgendunst
hängt die Zeit, wie Licht gefangen
irisierend in der Luft.

Hilflos starren wir sie nieder,
starren stummen Fischen gleich
mit geschloss’nen Augenlidern
in ein dumpfes Totenreich,
atmen schwer den Totenduft.

Schwarze Löcher hinterlassen
uns’re Herzen öd und wüst
und kein Mensch kann je erfassen
welche Ödnis uns begrüßt,
sonntagfrüh am Galgenbaum.

Deine Augen flackern wütig,
doch Dein Antlitz ist bedrückt.
Leben lastet unermüdlich
auf dem, den es niederdrückt.
„Sonntagfrüh“ ist nur ein Traum.

Du und ich, wir schweigen lieber
lebenslang in uns’rem Grab.
Hoffnungsstaub fällt auf uns nieder
bis er uns begraben hat.
Und das Spiel beginnt von vorn.

Doch die Jahre gleiten weiter,
gleiten hin durch Zeit und Raum.
Gestern noch, da war’n wir heiter.
Heute sterben wir vor Gram.
Morgen werden wir gebor’n.

Würmer und Fliegen.

Als heute morgen die Sonne aufging, fragte ich mich ob die Würmer in meinem Bauch auch schon wach sind und ich nahm das Messer neben meinem Kissen und schnitt ein großes Loch in die Bauchdecke, um ihnen einen guten Morgen zu wünschen. Der Himmel hängt seit Tagen voller dicker, weicher Wünsche und die zerrissenen Fetzen unbeständiger Zirruswolken ziehen durch die Landschaft und stürzen in traurigen Bahnen zu Boden, wo sie die Erde zu Tränen rühren.

Ich schwebe auf diesem Tränenbett, eingelullt in das süße Singen der Würmer und versuche einen Liebesbrief zu schreiben. Doch die Worte prallen an den blankpolierten Wänden meines Kopfes ab und blicken stumpf wie kleine Fische in die Nacht.

Es gab eine Zeit, da glaubte ich felsenfest nur das Leben kenne kein Ende. Heute weiß ich, daß auch das Herz kein Ende kennt, wenn es einmal angefangen hat zu schlagen. Es schlägt wie ein verrücktes, kleines Männchen mit einem Hammer, unaufhörlich gegen die Knochen und es schlägt immer fester und wilder und fester und wilder und man meint, es müsse doch bald eine Spitze erreichen, doch die Spitze kommt nicht, es kommt nichts, was ein Ende ankündigt, nichts was anders wäre als das Schlagen des Herzens. Veränderung ist eine Illusion.

In mir lebt ein riesiges Loch, das die Gestalt eines großen Mannes annimmt und mich auffrisst und ich dachte, ich sei geheilt von aller Leere, doch die Leere ist die Liebe und nichts heilt die Liebe einer Frau.

Während der Tag vergeht, vergeht die Nacht und in der Nacht singt der Tag schrille Kinderlieder und weint verzweifelt in meinen Träumen, schreit um Hilfe und sucht mich, sucht meinen Verstand, der längst von einer Klippe gesprungen ist. In der Nacht schwinden alle Worte und formen das Loch und ich will es erschlagen, doch der Mann tritt hervor und keiner, niemand lächelt wie er.

Es war wie eine Erdbeere, die meine Lippen benetzte, als ich mit Nadel und Faden meinen Schoß verschloß und tief im Wald nahm ich die Schrotflinte und schoss mir in den Mund. Doch bevor ich erwachen konnte, waren dort soviele Bäume und flüsterten “Niemals entkommst Du dem Labyrinth Deines Herzens.” Und ich schrie “Ich mag ja romantisch sein, aber ich lebe nicht mehr, nein, ich lebe nicht mehr. Wer hat mich erschlagen?” Und die Bäume lachten und flogen davon.

Es waren Stunden, Tage und Jahre und noch immer schlägt mein Herz und die Würmer in meinem Bauch schlängeln sich hinauf in meine Augen und treten hervor und lachen und lachen, sie lachen sich kaputt über all das, was sie sehen, doch mein Bauch, der weint, weil er sie verloren hat.

In den Bäumen hängt ein stahlblauer Luftballon und kichert hysterisch. Der Mann auf meiner Brust zerschlägt Fliegen mit einer Eisenpfanne und verschluckt meinen Verstand vor Schreck. Er hat alles verlassen, noch bevor ich ihn kannte. Wie soll ich ihn finden, wenn er doch längst nicht mehr sterben kann? Ich ertrinke und kralle mich in seine Haut. Doch was ich in den Händen halte, ist das höhnische Brüllen der toten Fliegen und ich erwache allein. Kein Blut fließt um mich herum. Nur mein Herz schlägt.