Mein heillos gebrochenes Herz.

Du
bist nicht tot, bist nur stumm
gegangen ohne ein Wort

Du,
ein zerrissenes Bündnis
ein plötzlich verschollener Ort

Du
warst die Burg, die ich liebte
die Heimat, die mich in sich barg

Du
warst der Held meiner Träume,
der vor meiner Liebe erschrak

Du
warst das Licht, das mich rettet
Dein Lächeln machte mich heil

Du,
verfolgt von den Schatten
der Angst, die uns schließlich entzweihte

Du
warst die ganz große Liebe
Du warst Wahrhaftigkeit

Du,
liebster Stein meines Anstoß
mein Glück und süßes Leid

Du
bist nicht tot, Du bist ewig
mein heillos gebrochenes Herz

Ich
verharre in leerer
Unendlichkeit, stark und versehrt

my lost big man

Das Ende des Regenbogens.

Das Ende des Regenbogens ist eine Stufe, die rotgolden glitzert. Ich stolpere sie hinunter und falle auf mein Gesicht. Weil ich mich weigerte meine Hände zu benutzen, denn ich dachte, ich könnte noch fliegen. Doch meine Flügel sind abgeschnitten. Meine Flügel sind abgeschnitten.

Am Himmel formieren sich Vögel amöbenartig immer wieder neu. Etwas in mir sagt, ich könne es schön finden, auch ohne mein Herz. Doch an meinen Schultern zucken die verstümmelten Muskeln.

Das Blut in meinen Augen verschleiert den Blick. Ich renne vorwärts. Es fühlt sich an wie fliegen, wenn ich nur schnell genug renne. Und in meinem Nacken wispert der Regen. Er spricht von Angst und Versagen. Jeder Tropfen tut weh.

Aber heute stelle ich mich unter den strömenden Regen. Ich sehe ihm fest ins Gesicht. „Ja, Du tust weh!“ brülle ich ihn an. „Tu mir weh! Zerschlage meine Augen mit Deinen Fäusten, zerschlage meinen Mund.“ Und er schlägt auf mich ein. Bis das Blut von meiner Haut geflossen ist.

Das Ende des Regenbogens ist eine hohe, grausame Stufe. Und unter ihr liegen Erde, Steine und Staub. Unter ihr liegt das Leben, das nicht glitzert, sondern brodelt wie verschmorendes Fleisch.

Asche.

Wie Schäfchen steigen Wolken zum Himmel auf. An blauen Bändern tragen sie kleine Fleischstücke mit sich; Fetzen Deines traurigen Gesichtes. Versonnen sehe ich ihnen nach. Ein Abschied ist zauberhaft, wenn er ein Anfang ist.

Wo Du warst herrscht Ödnis; mageres Land, von der Sonne verbrannt, in dem selbst die Spießböcke lechzen. Ich schrubbe mein Herz mit Milch und Salz und nähre es mit Eisen. Zaghaft streckt es seine Fühler aus in die Weite und zuckt erschrocken zurück.

Mein Geist ist ein begieriger, doch störrischer Schüler. Immer wieder schaut er aus dem Fenster und versenkt sich im Anblick der Birkenkronen. Mit einem peitschenden Knall landet die Rute auf seinem Pult. Hier vorne, zischt es, wach auf. Betroffen senkt er den Blick.

Wie aus dichtem, dornigem Gestrüpp reißt man mich los. Teile bleiben zurück. Ich winke ihnen zum Abschied: Auf Wiedersehen, Milz, auf Wiedersehen, Ohr. Es blutet ein wenig, dort wo das Ohr war. Die Milz brauchst Du nicht, sagen sie.

Ich habe den Spiegel vor mir zerschlagen. Mit einem wilden Schrei. Und nun schaue ich in seine Scherben und sehe mich immer noch darin. Entsetzt starre ich in all diese Gesichter. Sie starren zurück, jedes aus einer anderen Richtung, starren sie mich an und warten. Sie warten, daß ich sie erkenne.

Musik, die aus dem Himmel schallt – traurige Töne, reißende Klänge und dazwischen: Freude. Fang an zu tanzen, rufen die Wolken, die Dein Gesicht getragen haben. Fang an zu tanzen, wie Gott Dich zu tanzen gelehrt hat.

Und lachend beginne ich zu tanzen. Ich tanze und auf mich herab fallen die Obsessionen meines Lebens in einem Regen aus Asche. Sie hüllen meinen nackten Körper in graue Ascheschichten ein. Und ich liebe sie.

Meine Liebe ist bodenlos.

Zwei Äpfel im Gras.

Gott schickte uns wie Engel
der Zeit entrückt ins All
und ratlos sahen wir
dem Leben ins Gesicht

Gott ließ uns gleich zwei Äpfeln
beisammen fall’n ins Gras
erschrocken blickten wir
einander ins Gesicht

und schweigend lagen wir
und hilflos in der Erde
und witterten die Zeit
die uns erbittert wehrt

und ich erkenne endlich,
daß alles, was mal werde
nicht Du bist und nicht ich
und ewig uns entbehrt

Stumm sahen wir ins Leben
und quälten unsere Herzen,
die wir gebrochen hatten
und fühlten uns betrogen

Doch jenseits aller Wünsche,
durchfloß uns wahre Demut,
und in Dir ist mein Herz
zum Himmel längst erhoben

Sterbende Käfer.

Auf dem Leder der Autositze
sammeln sich Regentropfen,
traurig,
wie sterbende Käfer.

Und mit brennenden Augen
schaue ich hilflos
auf die Eintönigkeit meiner Worte.

Wo Du warst, glüht die Erde,
zerfällt zu Asche und
kein Wort
findet Wasser und Brot.

Verloren ist mein Geist
in den Tiefen Deines Meeres,
glücklos versunken
zwischen Fischen und Tang.

Und an meiner Brust,
trage ich Engel für Dich
und betrachte sie täglich
mit Liebe.

Eines Tages,
wenn meine Haut sie verschlingt,
will ich mein Schicksal beschließen
und im Wald
um Dich weinen.

Schneeschwalben.

Wenn der Himmel sich bricht
über Erde und Meer
ist die Welt nur ein Bogen
um mein Herz, das sich schwer
betrübt und betrogen
dem Leben ergibt
das es nährt, das es liebt.

Wie ein Vogel am Himmel
sich ziert und gebiert
und verunglückt im Flug
durch den Wind, der verirrt
in der Welt sich verliert
weil ein Auto am Wege
ganz ohne Gefühl
auf die Welt schaut und stirbt,

so betrachte ich müßig
dein schönes Gesicht
ohne Glaube an Nachsicht
ohne Glaube an Dich
ohne Angst oder Schrecken
nur verzweifelt erpicht
auf ein Wort und ein Lächeln
in deinem schönen Gesicht.

Es ist Sommer, es schneit
und die Welt ist beglückt
kann nicht fassen, daß sie
soviel Weisheit berückt
und sie strahlt aus den Fugen
im Horizont
mit der Liebe, die einst
mal ein Gott erfand.

Ich begreife so langsam
um was es ihm ging
diesem Gott, der mich schuf
und den Fehler beging
mich zu lehren, wie ich
den Teufel erschlage
denn am Ende blieb nichts
als des Erzengels Klage,
der sich mühsam das Fechten
lehrte.

Ich versinke in Armut
um mich herum
singe Lieder, die einmal
ein Arbeiter sung,
der viel trank und das Leben
verfluchte.
und ich suche den Himmel
nach Schneeschwalben ab
und versinke, versinke
versinke.

Und am Ende, am Ende
da segne ich dich
ich streichle verzückt
dein schönes Gesicht.
Und im Rausch meiner Armut
beglücke ich Dich
und verspreche, verspreche
ich liebe Dich nicht.

Mein Schatz.

Ich habe das Meer berührt.

An einem Strand,
hinter einer trüben Promenade
und ein paar Schafen,
nur einzelnen Rentnern mit Hunden,
saß ich und habe das Meer berührt.

Und wie ich da saß
und mein Bauch schmerzte,
vor soviel Tristesse,
grub ich nach einem Schatz.

Ich fand ihn,
keine zwei Handbreit  tief
im Sand.

Ein Stein,
blank geleckt vom Meer.

Ein Diamant,
wenn man ihn putzt.

Ich putzte und dachte:
„da sitze ich hier,
wo ich nicht hingehöre.“

Doch das Meer ist schön,
wo immer es sich zeigt
und ich habe einen Schatz gefunden,
nur eine Handbreit tief
vergraben.

Und überall im Sand
stand Dein Name,
mit dem Finger geschrieben.

Der Strand hat ihn sich gemerkt.

Und um meinen Schatz gewickelt,
warf ich ihn ins Meer,
damit es ihn mitnimmt
in die Unendlichkeit.

Doch Dein Name kam zu mir zurück.

Und so sah ich teilnahmslos zu,
wie die Gischt mit ihm spielte.