Mein heillos gebrochenes Herz.

Du
bist nicht tot, bist nur stumm
gegangen ohne ein Wort

Du,
ein zerrissenes Bündnis
ein plötzlich verschollener Ort

Du
warst die Burg, die ich liebte
die Heimat, die mich in sich barg

Du
warst der Held meiner Träume,
der vor meiner Liebe erschrak

Du
warst das Licht, das mich rettet
Dein Lächeln machte mich heil

Du,
verfolgt von den Schatten
der Angst, die uns schließlich entzweihte

Du
warst die ganz große Liebe
Du warst Wahrhaftigkeit

Du,
liebster Stein meines Anstoß
mein Glück und süßes Leid

Du
bist nicht tot, Du bist ewig
mein heillos gebrochenes Herz

Ich
verharre in leerer
Unendlichkeit, stark und versehrt

my lost big man

La Mia.

Tastende Hände auf meinen Rippen
Was mag ich dort sein, dort unter der Haut
Ach, sei ich der Sensenmann, knochig und fahl
Bin doch mit den Rufen der Hölle vertraut

Was sagt dieses Brot mir, was spricht dieser Apfel?
Sie strecken die Hände aus nach meiner Hülle
Doch Äpfel und Brote sind mir keine Nahrung
Die Leere in mir, sie sehnt sich nach Fülle

Mein hungriger Körper möchte verschwinden
Das Leben bestrafen, das ihn getroffen
Fleischstück um Fleisch, den Würmern zum Fraße
Die Erde verschlingt ihn und säubert die Knochen

Sei stille, Du Speise, hör auf mich zu rufen
Verführe mich nicht, was willst Du versprechen?
Der Preis deiner Lust sind Ekel und Schmerz
Vergiftete Freundin, ich muß Dich erbrechen

Nein, nichts soll mich nähren, nichts soll mir schmecken
Kein Hauch auf der Zunge sei mehr ein Genuß
Denn jegliche Speise hat mich verraten
Ich liebte — doch sie war ein Judaskuß

das Blau dieser Stunde.

Lass mir die Dunkelheit für meine Trauer
Lass mir die Trägheit, lass mir den Schmerz
Was soll mir das Licht sein, was helfen mir Worte?
Im Blau dieser Stunde birgt sich mein Herz

Der Tag geht vorüber, die Nacht wird noch kommen
Das Blau dieser Stunde ist weich wie der Schnee
und warm wie die Sonne, es senkt sich hernieder
umhüllt meinen Körper und lindert mein Weh

Das Licht bricht sich splitternd und grau an den Wänden
Zeigt Scherben eines vergangenen Tag´s
So lass mich bestaunen sein sterbendes Tanzen
Das Blau dieser Stunde schließt gleich seinen Sarg

Wie Staub auf der Linse verschwimmen die Schatten
Das Blau dieser Stunde frisst leise und kaut
bedächtig am Traum eines unruhigen Schlafes
und hat bald das letzte Trugbild verdaut

So lass mir die Dunkelheit für meine Trauer
Lass mich versinken im Jetzt und im Hier
Das Blau dieser Stunde wird grauer und grauer
Oh, Blau dieser Stunde, nimm mich mit Dir

Das Ende des Regenbogens.

Das Ende des Regenbogens ist eine Stufe, die rotgolden glitzert. Ich stolpere sie hinunter und falle auf mein Gesicht. Weil ich mich weigerte meine Hände zu benutzen, denn ich dachte, ich könnte noch fliegen. Doch meine Flügel sind abgeschnitten. Meine Flügel sind abgeschnitten.

Am Himmel formieren sich Vögel amöbenartig immer wieder neu. Etwas in mir sagt, ich könne es schön finden, auch ohne mein Herz. Doch an meinen Schultern zucken die verstümmelten Muskeln.

Das Blut in meinen Augen verschleiert den Blick. Ich renne vorwärts. Es fühlt sich an wie fliegen, wenn ich nur schnell genug renne. Und in meinem Nacken wispert der Regen. Er spricht von Angst und Versagen. Jeder Tropfen tut weh.

Aber heute stelle ich mich unter den strömenden Regen. Ich sehe ihm fest ins Gesicht. „Ja, Du tust weh!“ brülle ich ihn an. „Tu mir weh! Zerschlage meine Augen mit Deinen Fäusten, zerschlage meinen Mund.“ Und er schlägt auf mich ein. Bis das Blut von meiner Haut geflossen ist.

Das Ende des Regenbogens ist eine hohe, grausame Stufe. Und unter ihr liegen Erde, Steine und Staub. Unter ihr liegt das Leben, das nicht glitzert, sondern brodelt wie verschmorendes Fleisch.

Asche.

Wie Schäfchen steigen Wolken zum Himmel auf. An blauen Bändern tragen sie kleine Fleischstücke mit sich; Fetzen Deines traurigen Gesichtes. Versonnen sehe ich ihnen nach. Ein Abschied ist zauberhaft, wenn er ein Anfang ist.

Wo Du warst herrscht Ödnis; mageres Land, von der Sonne verbrannt, in dem selbst die Spießböcke lechzen. Ich schrubbe mein Herz mit Milch und Salz und nähre es mit Eisen. Zaghaft streckt es seine Fühler aus in die Weite und zuckt erschrocken zurück.

Mein Geist ist ein begieriger, doch störrischer Schüler. Immer wieder schaut er aus dem Fenster und versenkt sich im Anblick der Birkenkronen. Mit einem peitschenden Knall landet die Rute auf seinem Pult. Hier vorne, zischt es, wach auf. Betroffen senkt er den Blick.

Wie aus dichtem, dornigem Gestrüpp reißt man mich los. Teile bleiben zurück. Ich winke ihnen zum Abschied: Auf Wiedersehen, Milz, auf Wiedersehen, Ohr. Es blutet ein wenig, dort wo das Ohr war. Die Milz brauchst Du nicht, sagen sie.

Ich habe den Spiegel vor mir zerschlagen. Mit einem wilden Schrei. Und nun schaue ich in seine Scherben und sehe mich immer noch darin. Entsetzt starre ich in all diese Gesichter. Sie starren zurück, jedes aus einer anderen Richtung, starren sie mich an und warten. Sie warten, daß ich sie erkenne.

Musik, die aus dem Himmel schallt – traurige Töne, reißende Klänge und dazwischen: Freude. Fang an zu tanzen, rufen die Wolken, die Dein Gesicht getragen haben. Fang an zu tanzen, wie Gott Dich zu tanzen gelehrt hat.

Und lachend beginne ich zu tanzen. Ich tanze und auf mich herab fallen die Obsessionen meines Lebens in einem Regen aus Asche. Sie hüllen meinen nackten Körper in graue Ascheschichten ein. Und ich liebe sie.

Meine Liebe ist bodenlos.

Nichts bleibt.

Nichts bleibt zu tun
für mich.
Ich bleibe allein
zurück.
Ich schaue umher,
doch ich
finde doch nichts.

Ich schaue umher
und blicke
in mein Gesicht
und schrecke
vor mir zurück
und denke
nicht mehr an dich.

Ich denk nicht an dich
und doch
schreib ich ein Gedicht,
ein Wort,
so leer wie mein Blick,
für dich
und nichts bleibt zurück.

Nichts bleibt zurück
für mich.
Ich bleibe allein
und ich
schaue umher,
doch nichts,
nichts findet sich.

Wüste Ödnis.

Graue Schluchten reißen uns
in Täler, trist und traumverhangen
und im trüben Morgendunst
hängt die Zeit, wie Licht gefangen
irisierend in der Luft.

Hilflos starren wir sie nieder,
starren stummen Fischen gleich
mit geschloss’nen Augenlidern
in ein dumpfes Totenreich,
atmen schwer den Totenduft.

Schwarze Löcher hinterlassen
uns’re Herzen öd und wüst
und kein Mensch kann je erfassen
welche Ödnis uns begrüßt,
sonntagfrüh am Galgenbaum.

Deine Augen flackern wütig,
doch Dein Antlitz ist bedrückt.
Leben lastet unermüdlich
auf dem, den es niederdrückt.
„Sonntagfrüh“ ist nur ein Traum.

Du und ich, wir schweigen lieber
lebenslang in uns’rem Grab.
Hoffnungsstaub fällt auf uns nieder
bis er uns begraben hat.
Und das Spiel beginnt von vorn.

Doch die Jahre gleiten weiter,
gleiten hin durch Zeit und Raum.
Gestern noch, da war’n wir heiter.
Heute sterben wir vor Gram.
Morgen werden wir gebor’n.

Würmer und Fliegen.

Als heute morgen die Sonne aufging, fragte ich mich ob die Würmer in meinem Bauch auch schon wach sind und ich nahm das Messer neben meinem Kissen und schnitt ein großes Loch in die Bauchdecke, um ihnen einen guten Morgen zu wünschen. Der Himmel hängt seit Tagen voller dicker, weicher Wünsche und die zerrissenen Fetzen unbeständiger Zirruswolken ziehen durch die Landschaft und stürzen in traurigen Bahnen zu Boden, wo sie die Erde zu Tränen rühren.

Ich schwebe auf diesem Tränenbett, eingelullt in das süße Singen der Würmer und versuche einen Liebesbrief zu schreiben. Doch die Worte prallen an den blankpolierten Wänden meines Kopfes ab und blicken stumpf wie kleine Fische in die Nacht.

Es gab eine Zeit, da glaubte ich felsenfest nur das Leben kenne kein Ende. Heute weiß ich, daß auch das Herz kein Ende kennt, wenn es einmal angefangen hat zu schlagen. Es schlägt wie ein verrücktes, kleines Männchen mit einem Hammer, unaufhörlich gegen die Knochen und es schlägt immer fester und wilder und fester und wilder und man meint, es müsse doch bald eine Spitze erreichen, doch die Spitze kommt nicht, es kommt nichts, was ein Ende ankündigt, nichts was anders wäre als das Schlagen des Herzens. Veränderung ist eine Illusion.

In mir lebt ein riesiges Loch, das die Gestalt eines großen Mannes annimmt und mich auffrisst und ich dachte, ich sei geheilt von aller Leere, doch die Leere ist die Liebe und nichts heilt die Liebe einer Frau.

Während der Tag vergeht, vergeht die Nacht und in der Nacht singt der Tag schrille Kinderlieder und weint verzweifelt in meinen Träumen, schreit um Hilfe und sucht mich, sucht meinen Verstand, der längst von einer Klippe gesprungen ist. In der Nacht schwinden alle Worte und formen das Loch und ich will es erschlagen, doch der Mann tritt hervor und keiner, niemand lächelt wie er.

Es war wie eine Erdbeere, die meine Lippen benetzte, als ich mit Nadel und Faden meinen Schoß verschloß und tief im Wald nahm ich die Schrotflinte und schoss mir in den Mund. Doch bevor ich erwachen konnte, waren dort soviele Bäume und flüsterten “Niemals entkommst Du dem Labyrinth Deines Herzens.” Und ich schrie “Ich mag ja romantisch sein, aber ich lebe nicht mehr, nein, ich lebe nicht mehr. Wer hat mich erschlagen?” Und die Bäume lachten und flogen davon.

Es waren Stunden, Tage und Jahre und noch immer schlägt mein Herz und die Würmer in meinem Bauch schlängeln sich hinauf in meine Augen und treten hervor und lachen und lachen, sie lachen sich kaputt über all das, was sie sehen, doch mein Bauch, der weint, weil er sie verloren hat.

In den Bäumen hängt ein stahlblauer Luftballon und kichert hysterisch. Der Mann auf meiner Brust zerschlägt Fliegen mit einer Eisenpfanne und verschluckt meinen Verstand vor Schreck. Er hat alles verlassen, noch bevor ich ihn kannte. Wie soll ich ihn finden, wenn er doch längst nicht mehr sterben kann? Ich ertrinke und kralle mich in seine Haut. Doch was ich in den Händen halte, ist das höhnische Brüllen der toten Fliegen und ich erwache allein. Kein Blut fließt um mich herum. Nur mein Herz schlägt.