Mein heillos gebrochenes Herz.

Du
bist nicht tot, bist nur stumm
gegangen ohne ein Wort

Du,
ein zerrissenes Bündnis
ein plötzlich verschollener Ort

Du
warst die Burg, die ich liebte
die Heimat, die mich in sich barg

Du
warst der Held meiner Träume,
der vor meiner Liebe erschrak

Du
warst das Licht, das mich rettet
Dein Lächeln machte mich heil

Du,
verfolgt von den Schatten
der Angst, die uns schließlich entzweihte

Du
warst die ganz große Liebe
Du warst Wahrhaftigkeit

Du,
liebster Stein meines Anstoß
mein Glück und süßes Leid

Du
bist nicht tot, Du bist ewig
mein heillos gebrochenes Herz

Ich
verharre in leerer
Unendlichkeit, stark und versehrt

my lost big man

La Mia.

Tastende Hände auf meinen Rippen
Was mag ich dort sein, dort unter der Haut
Ach, sei ich der Sensenmann, knochig und fahl
Bin doch mit den Rufen der Hölle vertraut

Was sagt dieses Brot mir, was spricht dieser Apfel?
Sie strecken die Hände aus nach meiner Hülle
Doch Äpfel und Brote sind mir keine Nahrung
Die Leere in mir, sie sehnt sich nach Fülle

Mein hungriger Körper möchte verschwinden
Das Leben bestrafen, das ihn getroffen
Fleischstück um Fleisch, den Würmern zum Fraße
Die Erde verschlingt ihn und säubert die Knochen

Sei stille, Du Speise, hör auf mich zu rufen
Verführe mich nicht, was willst Du versprechen?
Der Preis deiner Lust sind Ekel und Schmerz
Vergiftete Freundin, ich muß Dich erbrechen

Nein, nichts soll mich nähren, nichts soll mir schmecken
Kein Hauch auf der Zunge sei mehr ein Genuß
Denn jegliche Speise hat mich verraten
Ich liebte — doch sie war ein Judaskuß

Das Ende des Regenbogens.

Das Ende des Regenbogens ist eine Stufe, die rotgolden glitzert. Ich stolpere sie hinunter und falle auf mein Gesicht. Weil ich mich weigerte meine Hände zu benutzen, denn ich dachte, ich könnte noch fliegen. Doch meine Flügel sind abgeschnitten. Meine Flügel sind abgeschnitten.

Am Himmel formieren sich Vögel amöbenartig immer wieder neu. Etwas in mir sagt, ich könne es schön finden, auch ohne mein Herz. Doch an meinen Schultern zucken die verstümmelten Muskeln.

Das Blut in meinen Augen verschleiert den Blick. Ich renne vorwärts. Es fühlt sich an wie fliegen, wenn ich nur schnell genug renne. Und in meinem Nacken wispert der Regen. Er spricht von Angst und Versagen. Jeder Tropfen tut weh.

Aber heute stelle ich mich unter den strömenden Regen. Ich sehe ihm fest ins Gesicht. „Ja, Du tust weh!“ brülle ich ihn an. „Tu mir weh! Zerschlage meine Augen mit Deinen Fäusten, zerschlage meinen Mund.“ Und er schlägt auf mich ein. Bis das Blut von meiner Haut geflossen ist.

Das Ende des Regenbogens ist eine hohe, grausame Stufe. Und unter ihr liegen Erde, Steine und Staub. Unter ihr liegt das Leben, das nicht glitzert, sondern brodelt wie verschmorendes Fleisch.

Asche.

Wie Schäfchen steigen Wolken zum Himmel auf. An blauen Bändern tragen sie kleine Fleischstücke mit sich; Fetzen Deines traurigen Gesichtes. Versonnen sehe ich ihnen nach. Ein Abschied ist zauberhaft, wenn er ein Anfang ist.

Wo Du warst herrscht Ödnis; mageres Land, von der Sonne verbrannt, in dem selbst die Spießböcke lechzen. Ich schrubbe mein Herz mit Milch und Salz und nähre es mit Eisen. Zaghaft streckt es seine Fühler aus in die Weite und zuckt erschrocken zurück.

Mein Geist ist ein begieriger, doch störrischer Schüler. Immer wieder schaut er aus dem Fenster und versenkt sich im Anblick der Birkenkronen. Mit einem peitschenden Knall landet die Rute auf seinem Pult. Hier vorne, zischt es, wach auf. Betroffen senkt er den Blick.

Wie aus dichtem, dornigem Gestrüpp reißt man mich los. Teile bleiben zurück. Ich winke ihnen zum Abschied: Auf Wiedersehen, Milz, auf Wiedersehen, Ohr. Es blutet ein wenig, dort wo das Ohr war. Die Milz brauchst Du nicht, sagen sie.

Ich habe den Spiegel vor mir zerschlagen. Mit einem wilden Schrei. Und nun schaue ich in seine Scherben und sehe mich immer noch darin. Entsetzt starre ich in all diese Gesichter. Sie starren zurück, jedes aus einer anderen Richtung, starren sie mich an und warten. Sie warten, daß ich sie erkenne.

Musik, die aus dem Himmel schallt – traurige Töne, reißende Klänge und dazwischen: Freude. Fang an zu tanzen, rufen die Wolken, die Dein Gesicht getragen haben. Fang an zu tanzen, wie Gott Dich zu tanzen gelehrt hat.

Und lachend beginne ich zu tanzen. Ich tanze und auf mich herab fallen die Obsessionen meines Lebens in einem Regen aus Asche. Sie hüllen meinen nackten Körper in graue Ascheschichten ein. Und ich liebe sie.

Meine Liebe ist bodenlos.

Wüste Ödnis.

Graue Schluchten reißen uns
in Täler, trist und traumverhangen
und im trüben Morgendunst
hängt die Zeit, wie Licht gefangen
irisierend in der Luft.

Hilflos starren wir sie nieder,
starren stummen Fischen gleich
mit geschloss’nen Augenlidern
in ein dumpfes Totenreich,
atmen schwer den Totenduft.

Schwarze Löcher hinterlassen
uns’re Herzen öd und wüst
und kein Mensch kann je erfassen
welche Ödnis uns begrüßt,
sonntagfrüh am Galgenbaum.

Deine Augen flackern wütig,
doch Dein Antlitz ist bedrückt.
Leben lastet unermüdlich
auf dem, den es niederdrückt.
„Sonntagfrüh“ ist nur ein Traum.

Du und ich, wir schweigen lieber
lebenslang in uns’rem Grab.
Hoffnungsstaub fällt auf uns nieder
bis er uns begraben hat.
Und das Spiel beginnt von vorn.

Doch die Jahre gleiten weiter,
gleiten hin durch Zeit und Raum.
Gestern noch, da war’n wir heiter.
Heute sterben wir vor Gram.
Morgen werden wir gebor’n.

Würmer und Fliegen.

Als heute morgen die Sonne aufging, fragte ich mich ob die Würmer in meinem Bauch auch schon wach sind und ich nahm das Messer neben meinem Kissen und schnitt ein großes Loch in die Bauchdecke, um ihnen einen guten Morgen zu wünschen. Der Himmel hängt seit Tagen voller dicker, weicher Wünsche und die zerrissenen Fetzen unbeständiger Zirruswolken ziehen durch die Landschaft und stürzen in traurigen Bahnen zu Boden, wo sie die Erde zu Tränen rühren.

Ich schwebe auf diesem Tränenbett, eingelullt in das süße Singen der Würmer und versuche einen Liebesbrief zu schreiben. Doch die Worte prallen an den blankpolierten Wänden meines Kopfes ab und blicken stumpf wie kleine Fische in die Nacht.

Es gab eine Zeit, da glaubte ich felsenfest nur das Leben kenne kein Ende. Heute weiß ich, daß auch das Herz kein Ende kennt, wenn es einmal angefangen hat zu schlagen. Es schlägt wie ein verrücktes, kleines Männchen mit einem Hammer, unaufhörlich gegen die Knochen und es schlägt immer fester und wilder und fester und wilder und man meint, es müsse doch bald eine Spitze erreichen, doch die Spitze kommt nicht, es kommt nichts, was ein Ende ankündigt, nichts was anders wäre als das Schlagen des Herzens. Veränderung ist eine Illusion.

In mir lebt ein riesiges Loch, das die Gestalt eines großen Mannes annimmt und mich auffrisst und ich dachte, ich sei geheilt von aller Leere, doch die Leere ist die Liebe und nichts heilt die Liebe einer Frau.

Während der Tag vergeht, vergeht die Nacht und in der Nacht singt der Tag schrille Kinderlieder und weint verzweifelt in meinen Träumen, schreit um Hilfe und sucht mich, sucht meinen Verstand, der längst von einer Klippe gesprungen ist. In der Nacht schwinden alle Worte und formen das Loch und ich will es erschlagen, doch der Mann tritt hervor und keiner, niemand lächelt wie er.

Es war wie eine Erdbeere, die meine Lippen benetzte, als ich mit Nadel und Faden meinen Schoß verschloß und tief im Wald nahm ich die Schrotflinte und schoss mir in den Mund. Doch bevor ich erwachen konnte, waren dort soviele Bäume und flüsterten “Niemals entkommst Du dem Labyrinth Deines Herzens.” Und ich schrie “Ich mag ja romantisch sein, aber ich lebe nicht mehr, nein, ich lebe nicht mehr. Wer hat mich erschlagen?” Und die Bäume lachten und flogen davon.

Es waren Stunden, Tage und Jahre und noch immer schlägt mein Herz und die Würmer in meinem Bauch schlängeln sich hinauf in meine Augen und treten hervor und lachen und lachen, sie lachen sich kaputt über all das, was sie sehen, doch mein Bauch, der weint, weil er sie verloren hat.

In den Bäumen hängt ein stahlblauer Luftballon und kichert hysterisch. Der Mann auf meiner Brust zerschlägt Fliegen mit einer Eisenpfanne und verschluckt meinen Verstand vor Schreck. Er hat alles verlassen, noch bevor ich ihn kannte. Wie soll ich ihn finden, wenn er doch längst nicht mehr sterben kann? Ich ertrinke und kralle mich in seine Haut. Doch was ich in den Händen halte, ist das höhnische Brüllen der toten Fliegen und ich erwache allein. Kein Blut fließt um mich herum. Nur mein Herz schlägt.

Schneeschwalben.

Wenn der Himmel sich bricht
über Erde und Meer
ist die Welt nur ein Bogen
um mein Herz, das sich schwer
betrübt und betrogen
dem Leben ergibt
das es nährt, das es liebt.

Wie ein Vogel am Himmel
sich ziert und gebiert
und verunglückt im Flug
durch den Wind, der verirrt
in der Welt sich verliert
weil ein Auto am Wege
ganz ohne Gefühl
auf die Welt schaut und stirbt,

so betrachte ich müßig
dein schönes Gesicht
ohne Glaube an Nachsicht
ohne Glaube an Dich
ohne Angst oder Schrecken
nur verzweifelt erpicht
auf ein Wort und ein Lächeln
in deinem schönen Gesicht.

Es ist Sommer, es schneit
und die Welt ist beglückt
kann nicht fassen, daß sie
soviel Weisheit berückt
und sie strahlt aus den Fugen
im Horizont
mit der Liebe, die einst
mal ein Gott erfand.

Ich begreife so langsam
um was es ihm ging
diesem Gott, der mich schuf
und den Fehler beging
mich zu lehren, wie ich
den Teufel erschlage
denn am Ende blieb nichts
als des Erzengels Klage,
der sich mühsam das Fechten
lehrte.

Ich versinke in Armut
um mich herum
singe Lieder, die einmal
ein Arbeiter sung,
der viel trank und das Leben
verfluchte.
und ich suche den Himmel
nach Schneeschwalben ab
und versinke, versinke
versinke.

Und am Ende, am Ende
da segne ich dich
ich streichle verzückt
dein schönes Gesicht.
Und im Rausch meiner Armut
beglücke ich Dich
und verspreche, verspreche
ich liebe Dich nicht.

Schneekugeln.

Das Licht stürzt vom Himmel,
wie verstoßene Engel.

Ich sehe ein schwarzes Loch.

Sein Maler sitzt vor mir,
raucht Pfeife und lacht.
Er lebt die Freiheit,
nach der wir trachten.
Ich würd sie Dir schenken,
doch fand ich nur
das Träumen des Schnees.

Schneekugeln halten
die Welt nicht gefangen.
Sie lächeln verschroben
und schmachten.
Drum wär ich für Dich
bis zur Küste gegangen,
auf jeden Fingerhut
achtend.

Trotz des Lichts, das herabstürzt,
wie verstoßene Engel,
um wie Dämonen
die Haut zu versengen.

Die knistert frivol an den Schultern.

Und der Maler ist fern,
so fern wie sein Lachen
und fern
ist sein gieriges schwarzes Loch.
Ich würde es gern einmal
mit Dir betrachten,
doch

ich fürchte es hat Dich gefressen.

my big man