La Mia.

Tastende Hände auf meinen Rippen
Was mag ich dort sein, dort unter der Haut
Ach, sei ich der Sensenmann, knochig und fahl
Bin doch mit den Rufen der Hölle vertraut

Was sagt dieses Brot mir, was spricht dieser Apfel?
Sie strecken die Hände aus nach meiner Hülle
Doch Äpfel und Brote sind mir keine Nahrung
Die Leere in mir, sie sehnt sich nach Fülle

Mein hungriger Körper möchte verschwinden
Das Leben bestrafen, das ihn getroffen
Fleischstück um Fleisch, den Würmern zum Fraße
Die Erde verschlingt ihn und säubert die Knochen

Sei stille, Du Speise, hör auf mich zu rufen
Verführe mich nicht, was willst Du versprechen?
Der Preis deiner Lust sind Ekel und Schmerz
Vergiftete Freundin, ich muß Dich erbrechen

Nein, nichts soll mich nähren, nichts soll mir schmecken
Kein Hauch auf der Zunge sei mehr ein Genuß
Denn jegliche Speise hat mich verraten
Ich liebte — doch sie war ein Judaskuß

Das Ende des Regenbogens.

Das Ende des Regenbogens ist eine Stufe, die rotgolden glitzert. Ich stolpere sie hinunter und falle auf mein Gesicht. Weil ich mich weigerte meine Hände zu benutzen, denn ich dachte, ich könnte noch fliegen. Doch meine Flügel sind abgeschnitten. Meine Flügel sind abgeschnitten.

Am Himmel formieren sich Vögel amöbenartig immer wieder neu. Etwas in mir sagt, ich könne es schön finden, auch ohne mein Herz. Doch an meinen Schultern zucken die verstümmelten Muskeln.

Das Blut in meinen Augen verschleiert den Blick. Ich renne vorwärts. Es fühlt sich an wie fliegen, wenn ich nur schnell genug renne. Und in meinem Nacken wispert der Regen. Er spricht von Angst und Versagen. Jeder Tropfen tut weh.

Aber heute stelle ich mich unter den strömenden Regen. Ich sehe ihm fest ins Gesicht. „Ja, Du tust weh!“ brülle ich ihn an. „Tu mir weh! Zerschlage meine Augen mit Deinen Fäusten, zerschlage meinen Mund.“ Und er schlägt auf mich ein. Bis das Blut von meiner Haut geflossen ist.

Das Ende des Regenbogens ist eine hohe, grausame Stufe. Und unter ihr liegen Erde, Steine und Staub. Unter ihr liegt das Leben, das nicht glitzert, sondern brodelt wie verschmorendes Fleisch.

Wüste Ödnis.

Graue Schluchten reißen uns
in Täler, trist und traumverhangen
und im trüben Morgendunst
hängt die Zeit, wie Licht gefangen
irisierend in der Luft.

Hilflos starren wir sie nieder,
starren stummen Fischen gleich
mit geschloss’nen Augenlidern
in ein dumpfes Totenreich,
atmen schwer den Totenduft.

Schwarze Löcher hinterlassen
uns’re Herzen öd und wüst
und kein Mensch kann je erfassen
welche Ödnis uns begrüßt,
sonntagfrüh am Galgenbaum.

Deine Augen flackern wütig,
doch Dein Antlitz ist bedrückt.
Leben lastet unermüdlich
auf dem, den es niederdrückt.
„Sonntagfrüh“ ist nur ein Traum.

Du und ich, wir schweigen lieber
lebenslang in uns’rem Grab.
Hoffnungsstaub fällt auf uns nieder
bis er uns begraben hat.
Und das Spiel beginnt von vorn.

Doch die Jahre gleiten weiter,
gleiten hin durch Zeit und Raum.
Gestern noch, da war’n wir heiter.
Heute sterben wir vor Gram.
Morgen werden wir gebor’n.