Schattenblick.

Schaue mich an
Rühre mich an
Schlag Deine Zähne in meine Seele
Leg Deine Hände
an meine Seiten
Zupf meine Worte aus meiner Kehle

Halte mich fester als Eisen

Schaue mich an
Schneide mich auf
Lege Dein Messer an meinen Bauch
Zerre an mir
Pflücke mein Innres
aus meinem Leib wie Beeren vom Strauch

Schlage in mir Deine Schneisen

Schaue mich an
Schau meine Zunge
Wie sie sich müht und schmerzhaft sich plagt
Wie sie sich windet
vor Deinen Augen
Ziehe die Silben aus mir jeden Tag

Wie Knoten aus einem Netz

Schaue mich an
Schaue nicht weg
Höre nicht auf mich anzublicken
Fasse mein Fleisch
Greif meine Seele
Schau nur wie wild meine Glieder zucken

als hättest Du sie unter Strom gesetzt

Schaue mich an
Gib mir zu Essen
Der Hunger nach Dir zerrt und reißt an mir
Nach Deiner Angst
Und Deinen Wunden
Sie locken mich an wie ein verlassenes Tier

bevor es sich vor Dir erschrickt

Schaue mich an
Rühre mich an
Halte mich fest in Deinem Griff
Gehe nicht weg
Schau wie ich brenne
Schau wie ich leide, wenn Du mich triffst

mit Deinem Schattenblick

Würmer und Fliegen.

Als heute morgen die Sonne aufging, fragte ich mich ob die Würmer in meinem Bauch auch schon wach sind und ich nahm das Messer neben meinem Kissen und schnitt ein großes Loch in die Bauchdecke, um ihnen einen guten Morgen zu wünschen. Der Himmel hängt seit Tagen voller dicker, weicher Wünsche und die zerrissenen Fetzen unbeständiger Zirruswolken ziehen durch die Landschaft und stürzen in traurigen Bahnen zu Boden, wo sie die Erde zu Tränen rühren.

Ich schwebe auf diesem Tränenbett, eingelullt in das süße Singen der Würmer und versuche einen Liebesbrief zu schreiben. Doch die Worte prallen an den blankpolierten Wänden meines Kopfes ab und blicken stumpf wie kleine Fische in die Nacht.

Es gab eine Zeit, da glaubte ich felsenfest nur das Leben kenne kein Ende. Heute weiß ich, daß auch das Herz kein Ende kennt, wenn es einmal angefangen hat zu schlagen. Es schlägt wie ein verrücktes, kleines Männchen mit einem Hammer, unaufhörlich gegen die Knochen und es schlägt immer fester und wilder und fester und wilder und man meint, es müsse doch bald eine Spitze erreichen, doch die Spitze kommt nicht, es kommt nichts, was ein Ende ankündigt, nichts was anders wäre als das Schlagen des Herzens. Veränderung ist eine Illusion.

In mir lebt ein riesiges Loch, das die Gestalt eines großen Mannes annimmt und mich auffrisst und ich dachte, ich sei geheilt von aller Leere, doch die Leere ist die Liebe und nichts heilt die Liebe einer Frau.

Während der Tag vergeht, vergeht die Nacht und in der Nacht singt der Tag schrille Kinderlieder und weint verzweifelt in meinen Träumen, schreit um Hilfe und sucht mich, sucht meinen Verstand, der längst von einer Klippe gesprungen ist. In der Nacht schwinden alle Worte und formen das Loch und ich will es erschlagen, doch der Mann tritt hervor und keiner, niemand lächelt wie er.

Es war wie eine Erdbeere, die meine Lippen benetzte, als ich mit Nadel und Faden meinen Schoß verschloß und tief im Wald nahm ich die Schrotflinte und schoss mir in den Mund. Doch bevor ich erwachen konnte, waren dort soviele Bäume und flüsterten “Niemals entkommst Du dem Labyrinth Deines Herzens.” Und ich schrie “Ich mag ja romantisch sein, aber ich lebe nicht mehr, nein, ich lebe nicht mehr. Wer hat mich erschlagen?” Und die Bäume lachten und flogen davon.

Es waren Stunden, Tage und Jahre und noch immer schlägt mein Herz und die Würmer in meinem Bauch schlängeln sich hinauf in meine Augen und treten hervor und lachen und lachen, sie lachen sich kaputt über all das, was sie sehen, doch mein Bauch, der weint, weil er sie verloren hat.

In den Bäumen hängt ein stahlblauer Luftballon und kichert hysterisch. Der Mann auf meiner Brust zerschlägt Fliegen mit einer Eisenpfanne und verschluckt meinen Verstand vor Schreck. Er hat alles verlassen, noch bevor ich ihn kannte. Wie soll ich ihn finden, wenn er doch längst nicht mehr sterben kann? Ich ertrinke und kralle mich in seine Haut. Doch was ich in den Händen halte, ist das höhnische Brüllen der toten Fliegen und ich erwache allein. Kein Blut fließt um mich herum. Nur mein Herz schlägt.

Grüne Sterne.

Ich habe von grünen Sternen geträumt,
und nun fallen sie vom Himmel wie Regen.
Und hinterlassen doch die blauen Spuren
unentrinnbarer Trauer
im Schnee meines Herzens.

Ich habe die Welt gefragt,
warum sie mich nicht entläßt
aus ihren Klauen – voll dieser Trauer.
Und sie antwortete,
weil Du mußt, was Du kannst.

Und ich habe den Himmel gebeten zu brennen.
Doch er schimmerte unberührt
Zu jeder Zeit.
Ich habe gefleht,
ohne ein Wort,
und mich erstaunt,
daß die Welt nicht erbebt.

Doch das Flimmern vor meinen Augen
versprach mir Gnade und Seligkeit,
bevor es davon sprang.
Auf Katzenpfoten.

Und plötzlich
war die Welt eine Kugel
und drehte sich.

Ich habe geträumt
und die Augen geöffnet.
Von einem Sommer geträumt,
der nie kam.
Ich dachte, es sei kein Baum erblüht.
Bis ich merkte,
daß die Bäume im Winter blühen.

Und als ich heute eine Wespe totschlug,
begriff ich,
daß es Wunder gibt.